Eine Frau die über Fehler nachdenkt

Gibt es Fehler? Duale Sicht versus Nondual

Am Selbstfindungsweg gibt es kaum eine Weisheit, die das Ego sich nicht für seine Zwecke aneignet. Selbst in der tiefen Weisheit, dass “es keine Fehler gibt” liegt eine Egofalle begraben, in die viele Suchende tappen…

Auf dem Weg der Selbstfindung gibt es wirklich nichts, was sich das “Ich” nicht “greift” und für seine Zwecke manipulativ anwendet. Dies bedeutet: Sage ich in der Advaita Vedanta, dass es: “nichts zu tun gibt”, meine ich die non duale Sicht des göttlichen Selbst, dass “alles gut ist“. Was macht das Ego – also das individuelle Selbst – des Hörenden aus diesem Satz? Ausrichtung des Geistes, Selbstreflexion sei nicht notwendig, “lebe dein Ego“, denn “es gibt nichts zu tun“. Und schon werden verwerfliche Handlungen (Bsp. wären Lügen und Betrug) dem göttlichen Plan zugeschrieben.

Die selbe Problematik entsteht bei der Frage nach Fehlern:
Die göttliche Natur des Seins ist non dual, nicht wertend und Fehler sind nicht existent, da alles Teil jenes Plans (“Sein Wille geschehe”) ist.
Das “Ich” ist dual – lebt dual und zeigt sich täglich mit den vielfältigen Resonanzen in Bezug auf seine getrennt empfundene Umwelt.
Was macht nun das “Ich” aus non dualer Weisheit? Wunderbar, es gibt ja keine Fehler, “Ich” habe nie etwas falsch gemacht, “es lag ja nie in meiner Verantwortung“, “es ist ja alles Teil des göttlichen Plans“… Dies ist eine weitere Spielart des “Ichs” um die eigene problematische Handlungsweisen zu rechtfertigen.

Reue und Vergebung

Fragt euch Folgendes: Was bedeutet “Reue” und was bedeutet “Vergebung”? Ein Mann ermordet ein kleines Kind. Nach vielen Erklärungen von Suchenden bedeutet dies nun, es ist alles Teil des göttlichen Plans, es gibt keine Fehler. Der Mann hat keinen Fehler begangen. Welch Irrtum!

Ja, in der non dualen Sicht der Dinge (die das Ego nie haben kann) ist der Tod des Kindes irrelevant.
Doch aus der dualen Sicht der Dinge des Egos ist der Tod sehr relevant.

Wie lernt der Mensch, wie lernt der Mörder? Durch sein Gewissen, welches ihn vielleicht zu plagen beginnt, wenn er des Nächtens Alpträumen begegnet. Und vielleicht empfindet er dann an einem Punkt: “was habe ich getan, was für ein Fehler!” und Reue setzt ein. Danach folgt der nächste Schritt, dass er der Reue Ausdruck verleiht und Einsicht zeigt. Und vielleicht schafft er es auch sich selbst zu vergeben, was der wichtigste Schritt wäre. Ohne “Fehler” gäbe es keinen Weg oder Entwicklung. Es wäre der Freibrief, alles zu tun, was dem Ego gerade in den Sinn kommt. “Ich” habe Lust – “Ich” vergewaltige dich! “Ich” lebe mit der Konsequenz, denn diese ist mir egal. Ich mag dann leiden, aber auch dies ist mir egal. Denn es gibt keine Fehler.

Zu glauben, es gibt keine Fehler, ist schon ein Fehler. Es ist eine vom “Ich” verwendete Strategie, um vergangene Ereignisse im eigenen Leben als “schon ok” zu titulieren.

“Ihr mögt wie ein Papagei gewisse Phrasen wiederholen, wie zum Beispiel: Alles gehört Gott, ich bin nichts weiter als seine Marionette und Er zieht die Fäden, um mich nach Seinem Willen tanzen zu lassen. Nichts gehört mir, ich führe nur Seinen Willen aus, und so weiter. Aber was macht ihr gewöhnlich? Wenn ihr eine lobenswerte Tat ausgeführt habt, dann wird behauptet, dass ihr der Ausführende gewesen seid. Es klingt so laut aus euren Kehlen, dass ihr einen trockenen Hals bekommt: All dies habe ich allein geschafft, aus eigener Anstrengung, mir gebührt die Ehre und der Ruhm, ich habe jetzt einen Status und besitze Format, Autorität, Besitztum und Eigentum, habe etwas geleistet und erreicht. Aber wenn eine nicht lobenswerte Handlung von euch ausgeführt wurde, oder wenn ihr zu bekennen habt, dass ihr daran beteiligt gewesen seid euch einen schlechten Ruf zu verdienen, oder eine Niederlage erlitten habt, oder etwas böses und falsches getan habt, dann übertragt ihr ohne darüber nachzudenken, weil es für euch bequem ist, die Verantwortung auf Gott indem ihr sagt: Ich bin nur ein Werkzeug in Seiner Hand, Er ist der Meister, ich nur ein Instrument in Seinen Händen. Die Menschen wechseln schnell vom ‘Ich’ zu ‘Er’, wie das Pendel in einer Uhr. Diese sehr übliche Eigenschaft, die in der heutigen Zeit sehr modern ist, ist reiner Betrug, sie ist eine hohle, spirituelle Heuchelei. Gedanke, Wort und Tat – diese drei müssen mit dem Glauben erfüllt sein, dass alles Gottes Spiel ist. Das ist der natürliche Weg.” – S.S. Baba

Baba erklärte immer, dass wir uns unserer Fehler, unserer “Schuld” bewusst werden sollten – es ist Teil des Weges. Es ist in dem Moment Vergangenheit, in dem ich meinen Fehler erkannt habe, es nicht wieder tun würde (seelisch gereift) und mir selbst vergeben habe. Aus Saulus wird Paulus. Dies zeigt wieder, wie trügerisch das “Ich” sein kann, wie die duale Sicht der Dinge non duale Wahrheiten für sich verwendet, um damit seine Existenz, sein Handeln zu rechtfertigen und es so “unreflektiert” zu lassen.
Ja, in der Natur des Selbst sind wir alle zeitlos, frei und unendlich weise. Um dies zu erkennen, ist es wichtig, die darauf die Sicht blockierenden Dinge aufzulösen, indem man sich in seinen Verhaltensweisen korrigiert.
Diese Geschichte von Baba verdeutlicht dies sehr schön:

“Einige wurden mit guter Gesundheit geboren, andere mit weniger guter Gesundheit. Einige leben ein erfolgreiches, sorgenfreies Leben, während andere sich ihr ganzes Leben lang in erschreckender Armut abmühen und plagen. Gewiss, man kann argumentieren, dass es genügend Zeichen der Verschiedenheit gibt, die der Schöpfer oder die Schöpfung enthüllt. Eine solche Schlussfolgerung mag sogar vom Standpunkt der gewöhnlichen, menschlichen Sichtweise gerechtfertigt sein. Der reine Strom der spirituellen Kultur verkündet, dass dies ganz und gar nicht wahr ist! Gott ist nicht die Ursache von Kummer oder Freude, von einem guten Schicksal oder schlechtem! Wer aber bringt dem Menschen das Böse und das Gute? Hier ist die Antwort: Wir selbst sind es! Der Regen fällt ebenso auf gepflügtes wie auch auf ungepflügtes Land. Nur das gepflügte Land profitiert von dem Regen! Die Wolken können dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Der Fehler liegt bei dem unwissenden Faulenzer, der sein Land brach liegen lässt. Die Gnade Gottes ist immer nahe. Sie hat kein ‚mehr oder weniger’, kein Hoch und kein Tief. Wir erinnern uns und ziehen daraus mehr oder weniger NUtzen, oder wir lassen die Gnade vorüberziehen, oder benutzen sie für unser eigenes Wohl.” – S.S. Baba

Der Faulenzer sagt: “Ich habe nichts falsch gemacht, es gibt keine Fehler, es lag an Gott, dass auf meinem Feld nichts wuchs“.
Der Weise erkennt, wie wichtig es ist, sich zu korrigieren, Einsicht zu zeigen (=Demut) und dann das Feld zu pflügen.

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